Ja-Nein-Vielleicht: München

Berlin versus München – wer ist besser, schöner, cooler? Ständig dieser Vergleich, Hauptstadt gegen heimliche Hauptstadt. Auf dem Weg nach München beschließe ich, mir stattdessen unvoreingenommen und ohne Hauptstädter-Attitüden ein Bild von München zu machen. Für’s Heiraten fühlen Berlin und ich uns sowieso noch zu jung.

Und München hat angeblich viel zu bieten: Von München kann man zum Frühstück ein deftiges Weißwurstfrühstück mit Bier erwarten oder eben auch vegane Superfoods in Kokosmilch. München pflegt nicht nur seine bayrischen Traditionen sondern weiß sie darüber hinaus noch mit hippen Öko-Beeren zu garnieren. Unter der Woche trägt München ein trendy Business-Outfit, schlüpft am Sonntag aber schon gerne mal in die Lederhose. Und zum Ausgleich für die schweineteuren Mietpreise, die München verlangt, hält es nach getaner Arbeit erholsame Spaziergänge durch den Englischen Garten, wunderbare Kunstschätze und schicke Partys bereit. Das alles kann München. Kein Wunder also, dass ihm 1964 vom „Spiegel“ der Titel „heimliche Hauptstadt Deutschlands“ verpasst wurde.

Also auf zu dieser Perle! Mit dem Flugzeug dauert es von Berlin aus nur ungefähr eine Stunde, bis man München erreicht. Nach der Landung machen sich durch Surren und Piepen sofort die Handys bemerkbar. Ein Mann hinter mir erhält einen Anruf. Mit bayrischem Akzent ruft er in den Hörer: „Ach Berni, jo i bin grade gelandet. Saufa wuist du?“ Er kichert und fährt fort: „Na, i kimm ja grade aus Berlin. Und mia san bei da Arbad an oana ganz grousn Sache dro…“ Während er von seiner Arbeit schwärmt, wird er immer lauter. Vermutlich weiß jetzt auch der letzte Passagier im Flieger, was für ein toller Workaholic er ist. Als er in seinem Begeisterungsschwall dann auch noch anfängt, auf der Rückseite meines Sitzes herum zu trommeln, drehe ich mich um und werfe ihm einen irritierten Blick über die Schulter zu. Er hört auf, zu trommeln. Der Mann im Anzug neben mir scheint überhaupt nichts mitbekommen zu haben, er tippt vertieft auf seinem Handy herum. Man ist das unentspannt, höre ich mich leise murmeln und vermisse Berlin jetzt schon. Und vermerke: Vergleichen ist menschlich, du hast es mit der Unvoreingenommenheit wenigstens probiert.

Die Woche mit München verläuft dann trotz Heimweh durchaus charmant. Die Unis haben schicke Dachterrassen, ich habe mit netten Leuten in kultivierten Bars rumgehangen und sogar den Tatort konnte ich in der „Niederlassung“ in public schauen – da hab ich Berlin glatt vergessen. Und als ich dann im „Bobbeamen“ auch noch bei der Buchvorstellung von Friedemann Karigs „Wie wir lieben“ dabei sein durfte, wurde mir spätestens klar: München, du und Berlin seid gar nicht so verschieden. Die Monogamie ist auch für dich nicht einfach, weil auch du ein bisschen beziehungsunfähig bist. Das habe ich aber bei beiden als Contra markiert. Nach einer Woche stehen auf meiner geistigen Pro-Contra-Liste aber überwiegend positive Dinge.

Trotzdem muss ich resümierend feststellen: Mein Herz schlägt nun mal für Berlin, auch wenn München viele Vorzüge hat. Verallgemeinern will ich da nichts. Vielleicht ist es die Heimatliebe, vielleicht der günstige Falafel-Laden am Spreewaldplatz, vielleicht auch nur die Vision von irgendwas, was sich Berlin auf die Fahnen geschrieben hat (definitiv nicht der BER). Trotzdem komme ich gerne wieder. Deshalb vertragt euch auch bitte und vergesst diesen Bayxit-Schmarrn. Bis zum naxtn moi!

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